Aufruf zur Nachttanzdemo!

13 04 2011

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Rave! Baby! Rave!

Die Sonne lacht und die Polkappen schmelzen. Am Stuttgarter Bahnhof stehen und verprügelt werden. Die kleine lockere Schraube in Biblis A übersehen.


Ist es etwa der finale Siegeszug eines dekadenten Hedonismus, wenn wir zum Tanzen aufrufen, obwohl es nichts zu feiern gibt? Wo jeder vernünftige Mensch nicht tanzen, sondern zum Bau der Barrikaden anstiften würde?
Wir haben es satt. Der Tanz auf dem Vulkan einer kaputten Gesellschaft ist Ausdruckstanz unseres Widerstands. Wir tanzen mit unserer Wut gegen unseren Frust. Wir entfesseln unsere Lust gegen die staubtrockene Wüste der Ignoranz.
Der ewige Kontrollwahnsinn des Überwachungsstaates, den wir uns bauen, will uns in normierte Lebensverhältnisse zwingen.
Dieser ewige Leistungsfanatismus dieser „unserer“ Wirtschaftsnationen will uns zu verwertbarem Humankapital verarbeiten.
Die gezielte Desinformation durch unsere Medien. Krieg als Event. Umweltzerstörung als Unterhaltungskino. Eine dumpfe Gleichgültigkeit des Individuums der Welt gegenüber. Die Lieblingsjoghurtsorte ausverkauft.

Wir werden zu Zombies eines Systems gemacht, das keinem anderen Zweck dient als sich selbst.

Eine herrschaftskritische und emanzipatorische Urteilskraft auszubilden lernen wir nicht in den Schulen und Hochschulen, denn dort wird nur die Reproduktion für die zügellose Wachstumsgesellschaft organisiert. An deren Ende stehen nicht nur Zertifikate, sondern auch genormte Lebensläufe. Sie sind lediglich ein Kontrollinstrument. Wir sollen berechenbar sein, funktionsfähig, nützlich, austauschbar.
Das System erwartet von uns, dass wir uns bis zur Unkenntlichkeit unserer Menschlichkeit an die Produktionsprozesse anpassen.
Dafür braucht es uns. Aber wir brauchen dieses System nicht.

Diese Kritik ist nicht neu und dennoch jeden Tag wieder notwendig. Und sie darf auch nicht ohne Gegenentwurf zum System stattfinden. Der Versuch eines „menschlichen Kapitalismus“ ist gescheitert – Solidarität, Verantwortung für uns und die Welt, die Anerkennung von Bedürfnissen haben keinen Platz. Jetzt sind wir dran. Die Kritik muss zur Aktion führen.

Es gibt heute kaum noch Orte, an denen nicht menschenverachtenden Einstellungen Normalität zugestanden wird. Sexismus, Rassismus, Nationalismus werden einfach hingenommen. Die einzige Denkart ist die Logik der Verwertbarkeit. Die wenigen Freiräume, die sich dagegen gestellt haben, werden zerstört oder sind bereits verschwunden. Vor 12 Jahren wurde das autonome Zentrum in Heidelberg geräumt. Den versprochenen Ersatz gibt es bis heute nicht. Freiräume werden überall bekämpft und zurückgedrängt. In Heidelberg gibt es kaum noch einen Ort, der sich noch dem Einheitsbrei aus Anpassung und Konsumrausch verweigert. Oder nicht der drohenden Schließung durch die Behörden ausgeliefert ist.
Deshalb ist es Zeit für neue Freiräume. Und diese Freiräume der Zukunft müssen noch darüber hinausgehen, was in der Vergangenheit möglich war.
Wir werden uns den Freiraum nehmen, unser soziales, kulturelles, ökonomisches und politisches Leben selbst zu organisieren. Die Wahrnehmung von Menschen als anders und fremd, ihre Teilung in Geschlechter, in Jung und Alt, krank und gesund und in andere gesellschaftlich konstruierte Rollenbilder gehören kaputt gemacht. Freiraum darf nicht nur ein Ort in der Stadt sein, sondern muss etwas in den Köpfen der Menschen verändern.

Unsere tanzenden, schwitzenden Leiber sind unser Statement gegen die Enge des langweilig mörderischen Spießbürgerdenkens. Mit stampfenden Bässen und elektrisierenden Sounds erobern wir den öffentlichen Raum zurück. Nehmen wir uns, was uns sowieso schon zusteht!

Wir schaffen den Freiraum selbst und wir machen es jetzt. Hier auf der Straße.

Und wir werden an diesem Punkt nicht stehen bleiben. Wir werden die untergehenden Herrschaftssysteme der vergangenen Jahrhunderte hinter uns lassen, uns selbst organisieren und neue Formen des Zusammenlebens erschaffen.

Kommt am 16.04.11 zur Nachttanzdemo nach Heidelberg und tanzt für die freie Welt von morgen.
Es hat gerade erst begonnen.

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