Castor-Widerstand sehr erfolgreich

14 11 2010

Die Polizei geht mit unverhältnismäßiger Härte vor

Vom 5. bis 9. November 2010 war der Castor-Transport vom Wiederaufbereitungslager in La Hague bis zum Zwischenlager in Gorleben dieses Jahr auf Schienen und Straßen unterwegs. Mit 1.5 Tagen Verspätung handelt es sich daher um den längsten Castor-Transport bisher, da er an vielen Orten durch kreative Protestformen und Blockaden aufgehalten wurde.
Den Anfang machten fünf AktivistInnen im französischen Caen, die sich an die Gleise gekettet hatten und damit eine Verzögerung von knapp drei Stunden verursachten. Dabei erlitten sie schwere Verletzungen durch das Freiflexen der Polizei, wie durchtrennte Sehnen und Verbrennungen zweiten bis dritten Grades. Trotz der unnötig schweren Verletzungen müssen diese AktivistInnen bis zum 15.11.2010 15.000 Euro Kaution zahlen, da sie sonst mit Festnahmen und Untersuchungshaft zu rechnen haben.
Am Samstag blockierten ca. 1500 Menschen die Castor-Schienenstrecke durch das pfälzische Berg. Die sichtbar überforderten Polizeieinsatzkräfte konnten die Blockade nicht rechtzeitig auflösen, sodass zum ersten Mal in der Geschichte der Castor-Transporte der Zug zurückfahren musste, um eine andere Route zu nehmen.
In Kehl und Bebra behinderten AktivistInnen die Weiterfahrt durch Kletteraktionen an Brücken.
Im Wendland wurde der Transport bisher ungekannten Problemen gegenübergestellt. Zum ersten Mal fand dieses Jahr eine groß angelegte Schotteraktion statt, bei der mehrere Tausend Menschen versuchten die Gleise durch Entfernen des Schotters zu unterhöhlen und dadurch unbefahrbar zu machen. Dabei ging die Polizei mit massiver Gewalt vor und setzte Wasserwerfer, Tränengasgranaten, Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die friedlich auf die Gleise stürmenden Menschen ein. Ohne Vorankündigung wurde jeder, der den Schienen nahe kam angegriffen und geknüppelt, sogar die Sanitäter der Polizei gingen mit Gewalt gegen die Schotterer vor. (ZDF-Bericht bei youtube)
Auch bei der Schienblockade von Widersetzen nahmen bis zu 5000 Menschen teil. Sie erstürmten friedlich die Gleise, wurden dabei jedoch von vielen gewaltbereiten Polizeikräften, sowie Hunde- und Pferdestaffeln abgehalten, was zu teils schweren Verletzungen führte. Nach 16-20 Stunden wurde die Blockade geräumt, wobei ca. 800 bis 1000 Menschen bei Minusgraden die Nacht und den frühen Morgen auf einer gefrorenen Wiese in einem Polizeikessel verbringen mussten. Da diese Gewahrsamnahme nicht durch Richter legitimiert worden war, muss sie als rechtswidrig angesehen werden. Allerdings war Widerspruch gegen diese Maßnahme nur mit gleichzeitiger Aufnahme der Personalien und drohender Repression möglich. Mehrere Anwälte des Ermittlungsausschusses im Wendland versuchen momentan rechtlich gegen diesen Freiheitsentzug durch die Polizei vorzugehen.
Kreativer Protest gelang durch die sensationelle Blockade mehrerer Greenpeace-AktivistInnen am Verladekran in Dannenberg, wo sie sich mit einem Lastwagen inmitten der Polizei in der Straße verankerten. Auch nach dieser Räumung war der Weg nach Gorleben noch nicht frei: Eine Schäferin war mit ihrer Herde auf der Straße unterwegs und die Polizei konnte weder mit Platzverweisen noch mit Pfefferspray gegen die Tiere vorgehen.
Auch bei der Straßenblockade kurz vor dem Zwischenlager in Gorleben musste die Polizei circa 4000 Menschen von der Straße tragen, bevor der Castor nach einer weiteren Kletterblockade durch Robin Wood endlich sein Ziel erreichen konnte.
Der Erfolg aller Blockaden beruht zu einem großen Teil auf dem Einsatz der Bäuerlichen Notgemeinschaft, da fast alle Zugangsstraßen durch zahlreiche Treckerblockaden für die Polizei versperrt waren. Zusätzlich waren auch kurz vor dem Zwischenlager noch einmal vier Personen mit einer Betonpyramide auf der Straße montiert.
Der bunte und vielfältige Protest des letzten Wochenendes zeigt, dass die momentane Atompolitik der Regierungen auf massive Ablehnung stößt. Die Menschen sind nicht mehr bereit, die Gefahren dieser Energiepolitik, von der vor allem die Atomlobby profitiert, zu tragen.
Widerstand ist machbar: Atomausstieg jetzt!

Zusammenfassung der Proteste als Video

Interview mit einem Anwalt über die Polizeigewalt

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